Neubau

Das Gehäuse: das Gebäude und das Instrument in Übereinstimmung

Die angenehmste Integration der Orgel ins Gebäude ist unser Streben. In Altgebäuden geben wir einem mit den vorliegenden Möbelstücken übereinstimmenden Gehäuse den Vorrang. So haben wir schon etliche Baustile nachgebildet. Wenn Bauteile der Vorderseite einer ehemaligen Orgel ähnlich sind, ist jedoch die Anordnung des Prospekts bei jedem Instrument einzigartig und individuell.

Was die Gehäuse betrifft, stellen wir wenig zeitgenössische Schöpfungen her, weil wir meistens in Altgebäuden arbeiten. Jedoch haben wir schon einige Gehäuse in moderner Ästhetik erzeugt, z. B. in Königsfeld, Gien, Hörschwag oder Speyer. In diesen Fällen waren wir verpflichtet, uns auf die vorliegende Architektur einzustellen.

Unsere im Jahre 1945 gegründete Manufaktur war Zeuge der Reihenfolge verschiedener Gehäusestile. In den 60er Jahren ist das althergebrachte Gehäuse verlassen worden zugunsten der Eingliederung der Orgelpfeifen und des Bausteins. In den 70er Jahren haben wir am Wiederaufblühen des Gehäuses teilgenommen, dessen schützende und akustische Rolle besser eingesehen war. Damals waren die Gehäuse in gegenwärtiger Ästhetik hergestellt und spielten eher eine ornamentale als eine tragende Rolle.

Unter unseren ersten tragenden Gehäusen, die in der Art der großen ehemaligen Instrumente hergestellt worden sind, können wir die Orgeln von Pierrefonds und Saint-Malo (Hauptorgel) akzentuieren. Es waren zugleich die ersten französischen mit Schnitzereien versehenen Gehäuse.

Die unvergleichbare Präzision der mechanischen Traktur

Ab den 50er Jahren war der Gründer der Firma Jean-Georges Koenig davon überzeugt, dass die mechanische Traktur die leistungsfähigste war. Da sein Sohn Yves Koenig Mechanik studierte bevor er die Leitung der Orgelmanufaktur übernahm, schien es ihm auch selbstverständlich, dass die mechanische Traktur die präziseste und sensibelste Art und Weise war, die Emotionen des Orgelspielers wiederzugeben. Die mechanische Traktur hatte seines Erachtens nichts empirisches in sich, weil es möglich war das Auswerteergebnis an der Klaviatur einzukalkulieren.

Unsere Orgelmanufaktur hat aus der Neuentdeckung der historischen Bauweise und ihrer hängenden Mechanik Nutzen gezogen, um dann ihre Partner von der Qualität der mechanischen Traktur zu überzeugen. So haben wir in unsere Orgeln die hängende Mechanik wiedereingeführt, vom Willen bewegt nach der Einfachheit des mechanischen Verfahrens zu trachten. Das verlieh jedem Instrument eine höhere Zuverlässigkeit und gewährte dem Organist einen besseren Anschlag. Heute ist die Qualität unserer Mechanik im Metier weitgehend anerkannt.

Wir haben auch schrittweise die Elektronik eingeführt, in geringer aber durchdachter Form. Was die Registermechanik angeht, ist die Elektronik für den Organist eine Assistenz: so kann er schneller die Register ziehen, ohne äußere Hilfe. Wir kooperieren mit der Firma Dièse Info: sie entwickelte im Jahre 1990 in Osaka ein elektronisches System das heute noch funktioniert, ohne Panne. Ein gleichartiges System wurde unlängst in die Chororgel von Saint-Malo eingebaut.

Die akustische Ästhetik: ein Reiseweg von der französischen Orgel in Richtung der deutschen Orgeln

Die aus der Rekonstruktion der Orgel von Sarre-Union gewonnene Erfahrung war entscheidend: sie wurde nach dem berühmten Traktat von Dom Bedos geführt. Diese Praxis hat den Weg für spätere Arbeiten auf französische Orgeln aus der Zeit des Ancien Régime geebnet, z. B. in Lorris, Vabres oder vor kurzem in Vézelise. Diese Erfahrung hat uns dazu gebracht, die weitgreifenden und warmherzigen Klänge einer französischen Orgel aus dem 18. Jahrhundert wiederzuerkennen, sie neu zu genießen und unsere Bewunderung für die Lyrik des Instruments zu verbreiten.

Nachdem wir in Sarre-Union verstanden hatten, wie dicht die Maßgröße der Orgelpfeifen und die Klänge die sich daraus ergeben zusammenhängen, haben wir uns vom unterwürfigen Kopieren befreit und charakterfeste Orgeln herstellen können. Wir haben jedoch in den Richtlinien der klassischen französischen Orgel weitergearbeitet, wie in Pierrefonds, Saint-Malo oder Valence.

Daraufhin folgt eine Periode, in der wir uns einem weiteren Repertoire gewidmet haben: die Orgeln in La-Roche-sur-Yon oder in Creil verfügen über ein auf klassischer Basis ruhendes Schwellwerk.

Später konnte Yves Koenig auf die Instrumente aus Mitteldeutschland (Sachsen) zugreifen. Das bedeutete für ihn eine wahre Entdeckung: es waren Instrumente, die zu einer anderen Kultur gehörten und eine andersartige Religionsausübung förderten.

Die Instrumente aus Mitteldeutschland bildeten seine Quelle der Inspiration für die Erzeugung der Orgeln von Straßburg Saint-Guillaume, Orsay, Gien, Zolwer (Soleuvre).

Die Rekonstruktion der Orgel in Sigmarigen hat uns dazu geführt, uns in die Orgeln aus Süddeutschland zu vertiefen. Diese verfügen über warmherzige Klänge, die der klassischen französischen Orgel nahe sind. Von diesen Beispielen ausgehend, war es einfacher Orgeln zu entwerfen, die für eine Synthese dieser Ästhetik galten, wie in Saargemünd, Leudelingen (Leudelange), Charleville-Mézières oder noch in Regensburg.

Die Klänge der deutschen Orgeln bleiben weiterhin die Quelle unserer Inspiration: wir haben unlängst eine Orgel in Luz-Saint-Sauveur ausgeführt, die für die norddeutsche Musik besonders angemessen zu sein scheint.