Überblick

Der Gründer: Jean-Georges Koenig (1920-1992)

Jean-Georges Koenig ist am 16. Mai 1920 in Straßburg geboren. Da er einer musikliebenden Familie zugehörte, wünschte er schon sehr jung, sich dem Musikinstrumentenbau zu widmen.

Er tritt in die Orgelbaufirma Roethinger ein. Dieses Unternehmen stellt zu dieser Zeit die Hauptorgel des Straßburger Münsters her : im 20. Jahrhundert war dieses Instrument eines der ersten im Elsass, das mit einer mechanischen Traktur konzipiert wurde. So kommt er auch mit anderen Orgelbauern, wie Alfred Kern und Ernest Muhleisen, in enge Berührung. Er lernt auch Salmon aus dem Betrieb Mutin-Cavaillé-Coll kennen, dessen Spitzname der Mechaniker lautet. So erklärt sich zum Teil die Neigung des Gründers unserer Firma für die mechanischen Orgeln.

Nach zwölf Jahren im Dienst der Werkstatt Roethinger, wollte er auf eigenen Füßen stehen. Im November 1945, kauft er in Sarre-Union das Geschäft der Witwe von Henri Vondrasek zurück. Er versucht das mechanische System in seine Instrumente einzuführen, wie in Petit-Ebersviller oder in der Kapelle der Sankt-Antonius Schule in Phalsbourg im Jahre 1953. Aber die Konkurrenz mit dem Betrieb Haerpfer-Ermann zwingt ihn jedoch dazu, hauptsächlich Orgeln mit elektrischer Traktur zu bauen, ein System das etlichen Orgelspieler überzeugender schien.

1965 gibt die Ankunft an der Straßburger Musikhochschule eines jungen Musiklehrers Michel Chapuis, Jean-Georges Koenig die Gelegenheit, an Orgeln mit mechanischer Traktur zurückzukehren: auf diesem Grundmodell baut dann die Orgeln von Léning und Brouderdorff.

Aber mit der 1967 in Sarre-Union wiederhergestellten Orgel entwickelt er sein Meisterwerk. Das Instrument wird in einem aus 1717 Delorme-Gehäuse eingerichtet: diese Orgel wird bald eine weltweite Referenz, die der Firma weit über Elsass-Lothringen hinweg Anerkennung verschenkt. Es handelt sich nämlich im die allererste Orgel, die nach dem Traktat von Dom Bedos (1766) hergestellt wird. Die Kritik ist einstimmig: diese internationale Achtung öffnet dem kleinen Familienbetrieb neue Perspektiven.

Die zweite Generation : Yves Koenig (1950 geboren)

In der mitreißenden Stimmung der Wiederkehr zu den Ursprüngen des Orgelbaus, integriert Yves, der am 16. Mai 1950 in Sarre-Union geborene Sohn von Jean-Georges, die Familienwerkstatt nach seinem Mechanik Studium. Vater und Sohn arbeiten zusammen ab 1968 bis 1983. Diese Periode wird 1974 von der Restaurierung der Orgel in Lorris ausgeprägt. Kennzeichnend für dieses Werk sind der Wille die früheren Techniken zu verstehen und der Wunsch das ehemalige Material aufzubewahren. Da das Berufsethos der Orgelrestaurierung noch sehr unsicher war, schien die Entscheidung außergewöhnlich die vorhandenen Pfeifen auszubeulen, auszugleichen oder zu konsolidieren anstatt sie durch Kopien zu ersetzen. Die Einhaltung der originellen Techniken und die Aufbewahrung des ursprünglichen Materials haben es erlaubt, den Wiederherstellungsprozess sehr weit zu führen: die Berücksichtigung der übereinstimmenden Holzarten und ihrer entsprechenden Sägeweise, die Anwendung gleichartiger Legierungen für das Pfeifenmetall und der treu nach früheren Arbeitsweisen ausgeführte Zusammenbau waren in diesem Fall entscheidend.

Nach dem Wiederaufbau der Orgel von Sarre-Union, hat das Haus Koenig fast ausschließlich Orgeln mit hängender Traktur gebaut : die Qualität der Technik ist eine Referenz im Metier geworden. Obwohl eine anscheinende Spezialisierung im Sachbereich der klassischen französischen Orgeln  der Familie Koenig zugesprochen war, hat sie sich ab 1972 für die  niederländischen Orgeln interessiert, aber auch für die Instrumente aus Mittel- und Süddeutschland. Der Bau der Orgel der Vrije Universiteit (Freie Universität) von Amsterdam war die erste Gelegenheit mit den Orgeln aus Nordeuropa Kontakt aufzunehmen. Diese Suche ist fortgesetzt worden mit den Orgeln, die Johann-Sebastian Bach teuer waren, in Sachsen und Thüringen. Sie haben den Bau des Instruments der Pfarrei Sankt-Wilhelm in Straßburg, die  Orgeln von Orsay und Soleuvre und unlängst der Sankt-Josef Kirche in Macau, inspiriert.

1983 überlässt Jean-Georges Koenig seinem Sohn Yves die Zügel der Manufaktur, die im Ausland die klassische französische Orgel bekannt macht und sie dorthin exportiert. So sind die 80. Jahre für die Firma Koenig das goldene Zeitalter der Restaurierung der klassischen französischen Orgeln: die Instrumente in Rodez, Mende, Valence und Joinville wurden zu dieser Zeit restauriert. Diese Restaurierungen bezeugen dem ehemaligen Material alle Achtung, in voller Übereinstimmung mit der Arbeit, die in Lorris geführt wurde. Dieses Jahrzehnt ist auch vom Neubau einiger Orgeln im klassischen französischen Stil markiert, wie in Pierrefonds, La-Roche-sur-Yon oder Saint-Malo. Yves Koenig beginnt eine Forschung über der Art und Weise das Gehäuse zu dekorieren: er möchte nämlich die Welle der „minimalistischen“ Gehäuse verlassen und Prospekte vorlegen, die der Musikästhetik angemessen sind.

Die 90. Jahre sind von einer stärkeren Suche in Richtung deutscher Ästhetik geprägt, wie es die Orgeln von Saint-Dié, Saargemünd oder Charleville beweisen. Aber die Manufaktur stellt auch Orgeln mit hybrider Ästhetik her, wie in Osaka oder in Regensburg: „Sachse in der Gestalt, Pariser in den Genen“.

Der Anfang der Jahre 2000 zeigt sehr diverse Projekte, die man keiner bestimmten Tendenz anknüpfen kann. Yves Koenig baut mehrere neue Orgeln: er sucht jedes Mal die beste Einbeziehung ins heimische Projekt, sei es vom musikalischen oder vom ästhetischen Standpunkt her.

Die Zusammenarbeit Koenig-Marchal (ab 2008)

Im September 2008 kommt der am 29. Oktober 1990 geborene Julien Marchal als Lehrling in die Firma: er ist im Besitz eines Abiturs mit literarischer Valenz. Er weist seit seinen jüngsten Jahren eine fortdauernde Begeisterung für die Orgeln hervor; er ist Titularorganist am historischen Instrument der Gemeinde Hesse, das früher schon von Jean-Georges und Yves Koenig restauriert wurde. Am Ende seiner Lehrlingsausbildung, verfügt über ein Abschluss-Diplom und über ein berufsqualifizierendes Diplom als Schreiner.

In unserer Manufaktur hatte er die Gelegenheit das Feld seiner beruflichen Kompetenzen schrittweise zu erweitern, von der Schreinerei zur Konzeption, von der Intonation zur Stimmung. Er soll letztendlich in der Lage sein, die Folge von Yves Koenig in der Leitung der Firma einzunehmen.

Diese letzten Jahre sind bezeichnend eines Anstiegs der Restaurierungen in den Arbeitstätigkeiten der Manufaktur Koenig. Die Firma war jedoch darauf beherzt, ihre Geübtheit in diesem Fach zu entwickeln. Julien Marchal hat eine Annäherung mit den Restaurierungsabteilungen der Museen initiiert, durch seine Teilnahme an der Gruppe Holz der SFFIC (französische Sektion vom International Institute of Conservation). So ist die Manufaktur immer auf dem Laufenden, was die Studien mancher Hochschulen oder Organisationen betrifft (INP, C2RMF und LRMH): Materialien für Restaurierungen, Bekämpfung der Holzschädlinge und Mikroorganismen, Fahndungen nach ehemaligen Glasuren, sind Forschungsbereiche von großer Bedeutung für unseren Betrieb.

Seit 2010 hat die Firma Koenig fünf neue Orgeln hergestellt: davon Macau in einer deutschen Ästhetik; Luz-Saint-Sauveur von den norddeutschen Orgeln inspiriert; und die Chororgel von Saint-Malo, die sich von den anderen unterscheidet, weil sie in ihrer Konzeption Tradition und Modernität verbündet. Das Gehäuse aus Eichenholz im französischen Stil aus dem 18. Jahrhundert beherbergt eine Traktur aus Kohlefaser und ein Spieltisch mit mechanischer Traktur der mit einem zweiten mobilen Spieltisch mit elektronischer Traktur dicht beieinander liegt. So integriert sich die Orgel bestens in ihre Umgebung. Zwei anderen Neubauten sind in Deutschland (Speyer BKI) und Österreich (Wien Kapuzinerkirche) erstellt worden, ein Zeichen dafür, dass die Manufaktur Koenig weit über Elsass-Mosel, woher sie stammt, ausstrahlt.